Neuere Zeit und Moderne

Berg-Karbach ist ein territorialer Bestandteil Aserbaidschans und war in den vergangen Jahrhunderten Siedlungsgebiet verschiedener Kulturen. Nach den offiziellen russischen Dokumenten und Zählungen der kaukasischen Hauptverwaltung zu diesem Gebiet lebten im Jahr 1810 etwa 12.000 Familien in Berg-Karabach friedlich zusammen. Davon waren 9500 Familien aserbaidschanisch und 2500 Familien armenisch (vgl. Akty, sobrannye Kawkassoj archeografitscheskoj komisseju, herausgegeben unter der Redaktion des Vorsitzenden der DSS-Kommission A.D. Bersche. Tiflis: Tipografija glawnogo uprawlenija Kawkaskogo 1870, Dokument 37, S. 38ff.). Die Ursachen des Berg-Karabach-Konflikts zwischen Armenien und Aserbaidschan liegt in der kolonialistischen Siedlungspolitik des Zarenreichs im 19. Jhdt.. Die künstliche Übersiedlung christlicher Völker im Südkaukasus diente der Etablierung der zaristischen Macht in den betroffenen Gebieten. Infolge dieser Politik, änderte sich die demografische Struktur des Südkaukasus erheblich. So wurden zu Beginn des 19. Jhdts. insbesondere christliche Armenier aus dem heutigen Iran und der Türkei auf dem heutigen Gebiet Aserbaidschans besonders in der aserbaidschanischen Region Berg-Karabach angesiedelt. Mit den Umsiedlungen durch die neue zaristische Staatsmacht wurden gleichzeitig Hunderte von aserbaidschanischen Siedlungen zerstört und Tausende Aserbaidschaner vertrieben und ermordet. In den Jahren 1905-1907 kam es dann zu den ersten massenhaften Übergriffen von Armeniern auf Aserbaidschaner im Südkaukasus. Im Jahr 1918 ermordeten armenische Nationalisten über 50.000 Aserbaidschaner. Alleine in Berg-Karabach zerstörten Armenier über 150 aserbaidschanische Dörfer. Infolge dieser Umstände änderte sich die ethnische Zusammensetzung Berg-Karbachs und aus einer armenischen Minderheit in Berg-Karabach wurde eine Mehrheit, die territoriale Ansprüche an dem Gebiet erhob.

Nach der Ausrufung der Sowjetrepublik in Armenien und Aserbaidschan 1920 erklärte Bergkarabach freiwillig seine Zugehörigkeit zu Aserbaidschan. Aserbaidschan verzichtete im Rahmen sowjetischer Nachbarschaftspolitik auf die aserbaidschanische Stadt Eriwan und schenkte diese der SSR Armenien. Eriwan ist heute die Hauptstadt Armeniens.
Gleichwohl gab es dennoch weiterhin brutale Übergriffe armenischer Daschnaken auf die aserbaidschanischen Bewohner Berg-Karabachs und die armenische Regierung erhob weiterhin Anspruch auf weitere Gebiete, unter ihnen Nagorno-Karabach, obwohl dessen armenische Volksvertretung 1919 die Herrschaft Aserbaidschans anerkannt hatten (Tadeusz Swietochovski, a.a.O.S. 76).In dem Vertrag von Moskau vom 16. März 1921, kam es zu einem Kompromiss: Die sowjetische Seite tritt Kars, Ardahan und Sumalu an die Türkei ab, Nachitschewan wird autonome Republik unter Aserbaidschan und Berg-Karabach bleibt territorialer Bestandteil Aserbaidschans. Am 7. Juli 1923 wurde Berg-Karabach per Dekret ein Autonomes Gebiet der Aserbaidschanischen SSR. Jedoch war man von armenischer Seite mit dieser Entscheidung unzufrieden und forderte in der Folgezeit immer wieder den Anschluss Berg-Karabachs an die Armenischen SSR. Die Forderungen wurden seitens der Sowjetunion abgelehnt. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion hatte die aserbaidschanische Region Berg-Karbachs eine politische, ökonomische und kulturelle Autonomie und war territorialer Bestandteil der SSR Aserbaidschan.